Premiere vom Vi Tva-Talk: Stylegeflüster mit Matthias Musche

Ein Handball-Nationalspieler auf dem Barbierstuhl. Und dazu ein paar Fragen – zack, fertig sind Frisur, Bart und Interview. So entstand Teil I unseres Stylegeflüsters.

Matthias Musche betritt Barberholics Magdeburg
Florian (r.) begrüß Nationalspieler Matthias Musche bei den Barberholics

Wir sind zu Gast im Barberholics Barbershop in Magdeburg. Draußen zieht bereits die Dunkelheit durch die Straßen der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts. Wir stehen aber noch voll im Licht. Als wir unsere Kameras zusammenschrauben, kommt plötzlich ein großer blonder Mann in den Shop – das Gesicht kommt einem sofort bekannt vor. Matthias Musche, Profi-Handballer beim SC Magdeburg und Nationalspieler der deutschen Auswahl. Er ist mit uns verabredet, will uns beim Frisieren und Bart pflegen ein paar Fragen beantworten. Für Teil eins unseres neuen Formats „Stylegeflüster – der Vi Tva-Talk“ haben wir einen besonderen Gast auf unserem Fragensessel.

Matthias Musche – ein Kind des SC Magdeburg

Seine ersten Schritte mit Ball machte Matthias beim Fermersleber SV 1885. Bereits im Alter von sechs Jahren spielte Matthias, Jahrgang 1992, Handball in Magdeburg. Bereits mit acht Jahren ging es dann weiter zum großen Nachbarn. Er trägt nun das Trikot des SC Magdeburg. Der SCM, elfmaliger DDR-Meister bis Jahrtausendwechsel viermaliger Europapokalsieger, wird das neue Zuhause des Blonden. Matze spielt sich durch die Jugendmannschaften des Vereins, schafft den Sprung in die A-Jugend-Nationalmannschaft.

In der Saison 2011/2012 schafft er den Sprung in den Bundesligakader. Der SCM hat während Matthias Jugendalter die Anzahl der Europapokaltitel von vier auf neun erhöht. Mit Zweitspielrechten bei den SCM Youngsters und HG 85 Köthen (3. Liga) sammelt er Spielpraxis. Nachdem er sich in der Saison 2012/2013 ebenfalls mit einem Zweitspielrecht für den SV Post Schwerin ausstatten lässt, gelingt ihm in seiner dritten Bundesliga-Spielzeit der Durchbruch. Seit der Saison 13/14 dreht Matze seine Kreise in der Handball-Bundesliga. Mittlerweile hat er fast 200 Bundesliga-Spiele auf dem Buckel, dazu kommen 42 Länderspiele. Und nun geht’s also auf unseren Fragensessel.

 

Föhnen, rasieren, Bart schneiden – und welche Pomade?

Nach einer kurzen Wartezeit darf der Nationalspieler auf dem Barber-Sessel von Florian Schönfeld Platz. Der bescheidene Blondschopf will auf jeden Fall seinen Bart behalten, dort aber gern etwas Struktur drin haben. Und demnach haben wir bereits unseren ersten Aufhänger. Nach einer kurzen Beratung legt Mr. Barberholics am Bart los. Vor unseren Fragen ist der Nationalspieler da noch geschützt. Wie soll man auch den Bart schneiden, wenn dabei getalkt wird? Nach der Rasur gibt’s Bartpomade zur Auswahl. Der Handball-Profi schnuppert sich durch, entscheidet sich für die Barbers Best Beard Pomade. Wie er das bisher handhabte? „Zum Spiel macht man sich schon mal was in den Bart, aber sonst eher selten“, gesteht er. Dazu erzählt Florian direkt, wie man am besten eine Pomade aufträgt. „Entweder nimmst du dir mit dem Finger oder dem Fingernagel ein kleines bisschen raus, dann verreibst du es wirklich gut in deinen Händen, auch zwischen den Fingern. Beim Auftragen ist wichtig, dass du es nur auf deinen Bart gibst und möglichst wenig auf die Haut.“

Handball WM 2019 – Platz 4 mit der DHB-Auswahl

Matthias Musche wird bei den Barberholics frisiert
Florian bei der Feinarbeit an Matzes Koteletten.

Als es an die Haare geht, erzählt der Nationalspieler von der Handball-Weltmeisterschaft, die zu Beginn des Jahres in Deutschland und Dänemark ausgetragen wurde. Mit großer Spannung schaute man auf die DHB-Auswahl. Bei der WM 2017 war für Deutschland bereits im Achtelfinale Schluss. Bei der EM 2018 war sogar schon nach der Hauptrunde Feierabend. Was konnte man also von der deutschen Mannschaft erwarten? Wohl nur wenige hatten damit gerechnet, dass Musche & Co. im eigenen Land so eine Euphorie entfachen. Plötzlich traute man den Deutschen sogar den Titel zu. Doch dann kam die Enttäuschung. Im Halbfinale das Aus gegen Norwegen, im Spiel um Platz 3 die Niederlage gegen Frankreich – nach der großen Euphorie nur Platz 4 für Deutschland.

„Wir gehören zu den besten vier Teams der Welt, das ist sehr positiv“, merkt Matthias an, erzählt im gleichen Moment: „Wir hatten danach drei Tage frei, bis es wieder zu den Vereinen ging.“ Drei Tage um eine WM zu verarbeiten. Während Matzes Haare nach anvisierten Schnitten vom Kopf auf den Boden fliegen, erzählt er, wie er diese drei Tage effektiv nutzte. Hund, Familie, Fußball. Dazu erzählt er: „Die WM war ja auch danach noch omnipräsent. Man hat viel drüber gesprochen mit Kollegen oder in Interviews.“ Das hilft, wieder in den Alltag zu kommen. 

Musche und der erste Bart

Natürlich spricht Matthias nicht nur über Handball. Wer spricht beim Barber denn schon nur über den Beruf? Also geht es nach dem aktuellen Thema Handball-WM zurück in die Jugend des blonden Kerls. Nur schwach erinnert er sich an die ersten Härchen im Gesicht. „Das müsste so mit 18 gewesen sein“, erzählt er und ergänzt: „Das ist ja aber auch schon so lange her. Ich bin ja auch schon 26.“ Damals gefiel ihm das eigentlich ganz gut mit den Haaransätzen an den Koteletten. Doch irgendwann kam sie, die erste Rasur. „Wahrscheinlich hab ich damals dann einfach gedacht ‚ach komm, jetzt bin ich mal cool und rasier mal'“. Den Papa um Rat fragen kam für ihn nicht in Frage. Matze ist zwar ein absoluter Familienmensch, aber: „Papa rasiert heute noch nass und macht sich alles ab, das ist nicht so mein Stil.“ Sein Stil ist der Vollbart, aber eben auch Familie.

Matthias Musche im Salon Barberholics im Gespräch mit Matthias Lüer und Conrad Hipp
Conrad eingekesselt von zwei Matthias. Rechts der Nationalspieler, links der Chef.

Begleitet wird Matze von seiner Freundin Franzine. Die war anfangs gar kein Fan von Bart. Sie soll mal mitkommen und schauen, wie das hier alles abläuft. Interessiert schaut sie zu, wie Matze sich pflegen lässt. Plötzlich steht sie auf, will eben auch mal am Bart und der Pomade schnuppern. „Was machst du denn hier?“, fragt er sie liebevoll. In Absprache mit ihr rasierte er den Bart einst komplett ab. Und dann das…

„Du siehst aus wie mein Arsch mit acht“

„Das war vor einer Europacup-Reise. Wir sind nachts um 03:00 Uhr ungefähr zum Auswärtsspiel losgefahren. Ich bin in den Bus rein und alle waren verschlafen. Ich dachte, ein Glück, es hat kaum einer mitbekommen. Plötzlich sagte Jens Schöngardt: ‚Ey, du siehst ja aus wie mein Arsch mit acht.‘ Da wusste ich, komplett abrasieren geht nicht mehr.“ Ein Spruch, der gesessen hat. „Er hatte ja Recht, aber im ersten Moment hat es mich schon getroffen.“ Heißt: Der Bart musste wachsen. „Eigentlich hab ich bis vor Kurzem gedacht, ich kriege gar keinen Bart. Aber dann kam er immer mehr.“ 

Bei der WM fiel der Bart auf. Selbst für die neuen Handballfans, die durch die WM-Euphorie gepackt wurden, war Musche ein schnell bekannter Name. Musche? Das ist doch der Typ… – genau, mit dem langen, blonden Bart. Dennoch will der Flügelflitzer der deutschen Nationalmannschaft den Bart nicht als sein Markenzeichen sehen. „Vielleicht wäre es auch ein Markenzeichen. Aber vielleicht habe ich ja in einem Jahr kein Bock mehr auf den Bart und dann ist der zu meinem Markenzeichen geworden.“ Aber ein Matthias Musche ohne Bart? Darüber wären wohl einige traurig. Außerdem wäre ja dann auch die Frage, wie er und sein Teamkollege Zeljko Musa sich in Zukunft begrüßen. „Der hat ja auch so einen Vollbart und immer wenn wir uns sehen greifen wir uns zur Begrüßung gegenseitig in den Bart.“

Dem Profi fehlt der Business-Plan

Aber so ein Markenzeichen hätte auch seine Vorteile. Das Vorbild sitzt im eigenen Verein. Torhüter Björgvin Pall Gustavsson stand zwischen 2011 und 2013 im Tor des SC Magdeburg. Markenzeichen: lange blonde Haare. Daraus entstand die Idee, ein eigenes Haargel zu produzieren. Also wieso nicht dem nacheifern? „Vielleicht bringe ich mal ein eigenes Bartöl raus“, sagte Matze bereits in einem Gespräch mit der Magdeburger Volksstimme im Dezember 2018. Na dann soll er uns doch mal erzählen, wie er sich sein Bartöl vorstellt. „Booooaaaaa, das ist ja jetzt…. ohne Vorbereitung. Da müsste ich mir ja erstmal einen Business-Plan aufbereiten…“ Florian trocknet Matze gerade die Haare ab, setzt kurzerhand mal ab, lautes Lachen im Barbershop. „Naja vielleicht kriegen wir da ja zusammen was hin.“ Kriegen wir mit Sicherheit.

Matthias Musche riecht an Haar-Pomade
Matze Musche schnuppert an der „Mops-Pomade“ und will sie danach umgehend testen.

Wir machen eine kurze Pause. Florian will den Föhn ansetzen. Bevor Fragen und Antworten verschluckt werden, schweigen wir kurz. „Es hat mich noch jemand geföhnt oder Hasi?“ Der Blick geht Richtung Freundin. Seine erste Föhn-Frisur. Und nun? Jetzt gibt’s noch eine Pomade für die Haare, oder? Bisher nutzt Matthias ein herkömmliches Produkt aus dem Drogeriemarkt. Matt will Matthias haben – sozusagen Mattze. 

Die Wahl fällt auf die Pug Hair Paste, die von uns liebevoll genannte Mops-Pomade. „Kann ich damit auch meinen Mops stylen?“, fragt Matze. Hund Moritz muss aber wohl keine Angst einer Styling-Kur haben. Auch, dass das Herrchen mal weit weg zieht, muss er für die nächsten Jahre nicht befürchten. Matze hat einen Vertrag bis 2024 – dann ist er 32. Seine Karriere beenden will er danach nicht. Ob er sich dann immer noch mit der Mops-Pomade stylt, kann er natürlich auch noch nicht sagen. Dennoch gehört sie am Interview-Tag zum Styling des Nationalspielers.

Das Styling-No-Go von Matze Musche

Florian ist fertig mit Matzes Frisur. Der Blondschopf grinst, ist rundum zufrieden. Wir haben auch das Interview fast auf die Frisierzeit getimed. Doch ein paar Fragen haben wir noch. Denen stellt sich Matze gern, erzählt locker von den bunten Pullovern von DHB-Manager Bob Hanning und verrät, dass er auch mal in Jogginghose einkaufen geht. Zum Abschluss gibt es noch zwei Fragen, die euch jetzt schöne Bilder in den Kopf malen. Was käme für Matze Musche stylingtechnisch niemals machbar: Bunte Haare oder Pferdeschwanz. Matze mit Pferdeschwanz – Kopfkino an. Was er aber für vorstellbar hält ist eine Glatze. Würde euch das besser gefallen?

Danach ist Matze erlöst. Für uns war es ein sehr schöner Interview-Termin, weil einfach alles zusammenpasste. In lockerer Atmosphäre bei Barberholics trafen wir einen authentischen Handball-Profi, der komplett auf dem Boden geblieben ist. Würde man ihn nicht vom Handballfeld kennen, man hätte gedacht, man plaudert mit dem netten jungen Mann aus der Nachbarschaft. Der lockere und bodenständige Typ wird er mit Sicherheit auch bleiben, wenn erst einmal sein eigenes Bartöl auf dem Markt ist. Matze, wir sehen uns wieder.

Matthias Musche, Florian Barberholics und das Vi Tva Team vor dem neuen Pomadekontor Regal.

 

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